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August 24, 2020

Vince Perraud ist ein 35-jähriger Fotograf aus Frankreich. Sein fotografischer Background ist das BMX-Fahren, inzwischen tauchen aber immer mehr Fotos von schicken alten Autos und stilvoll inszenierten Portraits und Landschaften in seinem Portfolio auf. Er produziert zeitlose Fotokunst in einer rastlosen Epoche.

 

Bonjour Vince! Erzähl uns einmal ein bisschen von dir. Wo bist du aufgewachsen?

Ich komme aus der Region Burgund, die in etwa in der Mitte von Frankreich liegt. Ziemlich dörflich und gut behütet bin ich dort aufgewachsen und habe früh die Liebe zum BMX-Fahren gefunden. So oft es ging, war ich mit meinen Kumpels auf dem Bike unterwegs. Nach der Schule kamen dann immer mehr Fragen auf, wie man wohl später sein Leben gestalten wollte. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich mal machen würde, ich wusste nur eins: Mein Leben werde ich nicht in einem Büro verbringen.

Wann hast du mit der Fotografie begonnen?

Ich habe damit recht spät angefangen. Ich glaube, ich war damals 22 Jahre alt. Dazu gekommen bin ich durch einen Unfall beim BMXen. Ich habe mir an meinem rechten Knie das Kreuzband gerissen und musste für ein komplettes Jahr pausieren! Um trotzdem noch mit meinen Jungs abhängen zu können, habe ich mich entschlossen, ihnen mit der Kamera zu folgen. Von da an ging es los. Ich habe mich autodidaktisch immer weiter in die Materie hineingearbeitet und mir alles selber beigebracht.

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du wusstest: „Okay, ich bleibe erst einmal bei der Fotografie!“?

Nee, nicht wirklich. Ich hatte nie den Plan, wirklich als Foto- graf zu arbeiten. Ich nutzte es nur, um weiterhin nahe beim BMXen bleiben zu können. Irgendwann hat es mir aber so viel Spaß gemacht, mit dieser Kamera zu experimentieren – damals noch analog –, dass ich einfach immer weitergemacht habe. Ich war eh nie so talentiert im BMXen, dass ich es zu einer Pro-Karriere geschafft hätte, daher war der Kreuzbandriss da am Ende ein echter Glücksfall. Den einzigen Back-up-Plan, den ich mir als Job-Alternative nach der Schule zurechtgelegt hatte, wäre ein Job in der BMX-Industrie gewesen.

Erinnerst du dich noch an deine erste Veröffentlichung?

Ja, absolut! Ein Foto von mir wurde in Fingernagelgröße in einem echt miesen Magazin veröffentlicht. [lacht]Aber es war trotzdem das coolste Erlebnis. Das hat mich motiviert, weiterzumachen und meine Bilder weiter anderen Redaktionen zu schicken. Nach vielen Absagen hatte ich schließlich weitere Veröffentlichungen in Magazinen wie „Soul“, „Dig“ und „Ride“. Ich war so stoked, als die Bilder erschienen sind! Ich lebte meinen Traum und durfte mit vielen der talentiertesten Rider der Welt abhängen und um die Welt reisen. Das Finanzielle dabei war mir immer egal. Ich dachte nur: „Fuck it, lasst uns einfach auf BMX- Trips gehen, fotografieren und wir schauen später, wie ich den finanziellen Part stemme.“ Ich habe die Lebenshaltungskosten damals so niedrig wie möglich gehalten und immer bei Freunden auf der Couch gepennt. Wenn man eine Sache wirklich will, soll es nicht an der Kohle scheitern, dachte ich mir.

 Du stammst aus Frankreich, deine Bilder sehen oft aber sehr „kalifornisch“ aus. Wie oft bist du drüben bei den Amis?

Ah, danke! Ja, Kalifornien fasziniert mich schon seit jeher. Das komplette BMX-Thema ist dort riesig und das Licht zum Fotografieren ist einmalig. Ich war dort schon echt oft und versuche auch heute noch zwei-, dreimal pro Jahr, dort das Wetter und die Kultur zu genießen.

Wie oft reist du allgemein pro Jahr? Und wohin verschlägt es dich dabei?

Oh Mann, ich reise brutal viel. Im Schnitt drei Wochen im Monat. Wir, meine Freundin und ich, haben bis vor Kurzem noch in Paris eine teure Wohnung gehabt. Da wir aber so viel unterwegs sind, haben wir uns dazu entschlossen, die Wohnung aufzugeben. Nun sind wir als Nomaden unterwegs und dank meiner großartigen Kunden verschlägt es uns dabei an die coolsten Orte. Wir sind in ganz Europa unterwegs wie neulich in Spanien und Island, Italien und dann auch viel in Übersee wie Marokko, Südafrika, Florida oder Japan und kurz nach unserem Interview wird es für Vans nach Thailand gehen.

Heutzutage fotografierst du nicht mehr nur BMX. Du hast dich auf Autos, Actionsport und Mode fokussiert – eine Kombination, mit der viele Fotografen heutzutage arbeiten wollen. Wie schaffst du es dabei, dich aus der Masse hervorzuheben?

Nach fast zehn Jahren in der BMX-Welt war es an der Zeit, ab und an auch mal andere Dinge vor die Linse zu nehmen. [lacht]Dabei fotografiere ich grundsätzlich nur Dinge, auf die ich Bock habe. Und ob ich dann damit aus der Masse hervorsteche... das hast du gesagt. Ich versuche halt immer, mein eigenes Ding durchzuziehen, und bin mir auch sicher, dass das ein Schlüssel zum Erfolg sein kann.

Apropos Erfolg: Wie viel Arbeit muss investiert werden, um heutzutage ein guter Fotograf zu werden? Ab und an ein schönes Foto zu machen reicht da ja nicht, richtig?

Das ist eine schwere Frage. Besonders, da ich es nie an- gestrebt habe, ein erfolgreicher Fotograf zu werden. Es ist auf jeden Fall ein täglicher Kampf ums Überleben. Heutzutage ist jeder ein Fotograf. Es ist extrem einfach geworden, super Fotos in deinem persönlichen Umfeld zu machen. Aber wie du schon sagst, ab und an ein gutes Foto zu machen reicht definitiv nicht. Man muss seinen Kunden täglich qualitativ gutes Material liefern können. Man muss sich dabei an jede Situation anpassen können: auch eine Fähigkeit, die sicher nicht jedem liegt. Besonders wenn man für seinen Job reisen muss: Sprachprobleme, Jetlag, schlechtes Wetter, die passenden Orte fürs Shooting finden, die passenden Leute und Models finden... zudem muss man ständig und immer erreichbar sein. Das Wort „Feierabend“ gibt es schlichtweg nicht! Man muss schon mit ganzem Herzen dahinterstehen, sonst wird es nichts.

Sprechen wir über Autos: Besonders die alten Porsche scheinen es dir angetan zu haben. Wie kommst du an die Teile ran, um sie in deine Shootings zu integrieren? Wir gehen jetzt mal davon aus, dass du diese nicht alle selbst besitzt...

[lacht]Mann, leider nicht! Diese alten 911er sind so wunderschön und sexy! Wenn man damit rumfährt, ist es, wie in eine Zeitkapsel aus einer anderen Ära einzusteigen. Zum Thema: Wie man an sie rankommt? Das ist echt ganz witzig und viel einfacher, als man denkt. Die Besitzer rufen mich einfach an. Nachdem ich ein, zwei Porsche fotografiert und die Bilder auf Instagram gestellt hatte, bekam ich die erste Nachricht: „Hey, ich habe dieses Auto. Willst du es dir für ein Shooting ein paar Tage lang leihen?“ Ich kann bis heute mein Glück nicht fassen, dass das so einfach ist. Ich habe dadurch so viele coole Leute kennengelernt, mit denen ich meine Leidenschaft teilen kann. Instagram hilft in dem Fall extrem!

Da wir schon über Instagram sprechen: Ist es schwierig, sich als Fotograf immer wieder neu zu erfinden? Denn schaut man sich die Flut an guten Bildern im Netz an, hat man das Gefühl, alles und jedes ist bereits fotografiert.

Es ist ein Albtraum. Ich verbringe eine Menge Zeit damit, mir die unterschiedlichsten Fotos anzuschauen, egal ob gut oder schlecht. Und das in Büchern, Magazinen, im Internet – es ist endlos, was man da alles findet. Aber wie ich schon meinte, ich sehe keinen Zwang darin, mich neu erfinden zu müssen. Ich fotografiere einfach das, worauf ich Bock habe. Entweder die Leute mögen es oder nicht.

An welchen Projekten arbeitest du gerade?

Ich versuche mich gerade an meinem ersten eigenen Buch. Außerdem habe ich zusammen mit meiner Freundin den Blog the-deserters.com gestartet, in dem wir unseren Lifestyle und das, was wir selber mögen, präsentieren. Dann bastle ich noch an einem 1968er-912er-Porsche rum, den ich mir restaurieren will. Bis der fertig ist, wird aber wohl noch ein wenig Zeit vergehen. Es ist also viel los, aber ich kann mich ausruhen, wenn ich alt bin. Momentan bin ich einfach nur glücklich, wie alles läuft.

 

Name: Vince Perraud


Alter: 35


Geboren: Burgund, Frankreich


Mit der Fotografie begonnen: Vor 13 Jahren


Erste Kamera: Eine Canon 500n Film-Kamera Lieblingskamera heute: Eine Pentax 67


Lieblingsort auf der Erde: Wahrscheinlich Kalifornien –
aber jeder Ort an dem ich mit meiner Freundin Sev bei Sonnenuntergang und einer Flasche Rotwein bin, ist perfekt.